Blut und seine Beziehungsgeschichten

Ein chinesisches Sprichwort sagt:
"Die Vereinigung des Qi des Himmels mit dem Qi der Erde wird menschliches Wesen genannt"

Das was da entsteht ist die sogenannte Vor-Himmels-Essenz. Diese nährt den Fötus. Nach der Geburt beginnt das „neue“ menschliche Wesen zu essen, trinken und atmen. Daraus bildet sich die Nach-Himmels-Essenz.
Aus beiden Quellen gespeist, ist die Nieren-Essenz die Grundlage für das Yang und das Yin schlechthin.
Wie wir wissen, ist alles energetische, Luftige und nichtmaterielle im Begriff Yang vereint.

Das Gegenteil davon ist das Yin:
Dazu gehören alle materiellen Anteile des Qi. Das sind die Essenz selber, die Körperflüssigkeiten, die Organe (als materieller Aspekt) und vor allem das Blut.

Die zweite Skizze aus dem Seminar veranschaulicht im Groben den „Werdegang „des Blutes.
Aber sie ist natürlich nicht komplett genug, um alle Geheimnisse unseres Blutes offenzulegen.
Das geschieht jetzt.

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Blut hat also 2 Quellen:
Zum grössten Teil entsteht es aus dem Nahrungs-Qi, das von der Milz bereitgestellt wird.
Die Milz schickt diese guten Sachen aufwärts (siehe Newsletter 1) zur Lunge. Mit Hilfe des Lungen-Qi wird es weiter zum Herzen befördert (abwärts!).Und dort wird durch das Herz-Yang das, was die Chinesen unter Blut verstehen, hergestellt.

Weiters ist auch die Niere im Spiel:
Um einen dadurch, dass sie die Essenz speichert. Und diese bringt das Mark hervor, das als Knochenmark (ein Aspekt des Begriffes „Mark“!!) zur Blut–Bildung beiträgt. Zum anderen wird die Transformation des Nahrungs-Qi in Blut durch das Ursprungs-Qi unterstützt ( im speziellen das Yang davon). Wenn wir Sicht der Kosmologischen Sequenz wählen,ist es logisch dass beide „Pole“ an der Blutbildung beteiligt sein müssen !

Die wichtigsten Funktionen des Blutes sind :
• Das Nähren der Organe und die Ernährung des Körpers.
• Das Befeuchten ( z.Bsp. der Augen mit Leber-Blut,aber auch Sehnen,Muskeln,Haare…)
• Es ist die materielle Basis von Shen,dem Geist.

Jetzt zu den Beziehungs-Geschichten.

Sein Verhältnis zum Herz:
Das Herz regiert das Blut.
Wie wir gesehen haben wird es durch die Wirkung des Herz-Feuers hergestellt. Feuer ist Yang und es wandelt sich in Yin (Blut ist Yin) um.
Andererseits kühlt dieses Yin das Feuer und hält es davon ab unkontrolliert emporzusteigen.
Dieser Zusammenhang ist ein typisches Beispiel für die immer wieder vorkommende Wechselbeziehung zwischen Yin und Yang.

Sein Verhältnis zur Milz:
Die Milz unterhält zweierlei Beziehungen zum Blut.
Zum einen liefert sie den „Rohstoff“ und kann daher als Quelle des Blutes verstanden werden. Zum Anderen sorgt das Milz-Qi dafür, dass es in seinen Bahnen bleibt und nicht aus ihnen austritt. Bei einer Schwäche (=Mangel) des Milz-Qi bleibt es eben nicht dort wo es hingehört. Es kommt zu Blutungen.

Sein Verhältnis zur Leber:
Die Chinesen sagen: Die Leber speichert das Blut.
Sie meinen damit zwei Dinge:
=>Das Blut fliesst während des Tages bei normaler Tätigkeit eines Menschen zu den Muskeln und den Sehnen. Wenn er sich abends niederlegt kehrt es zur Leber zurück. Während der körperlichen Ruhe regeneriert sich das Blut in der Leber.
Das gespeicherte Blut befeuchtet die Augen und die Sehnen.
=>Das Blut der Leber versorgt den Uterus mit Blut und steht in enger Beziehung zum Durchdringungs-Gefäss. Dieses Gefäss versorgt auch die Gebärmutter, ist aber letztlich vom Nachschub aus der Leber abhängig.

Sein Verhältnis zur Lunge:
Die Lunge hilft der Milz dabei die guten Sachen zum Herzen zu schicken, wo sie dann umgewandelt werden.
Abgesehen davon kontrolliert die Lunge alle Leitbahnen und Blutgefässe. Das bedeutet, die Lunge pumpt Qi in die Blutgefässe um die vorwärtstreibende Wirkung des Herzens zu unterstützen.

Sein Verhältnis zur Niere:
Wie oben schon erwähnt hilft das Ursprungs-Qi bei der Umwandlung des Nahrungs-Qi in Blut. Ausserdem kann die Nieren Essenz in Blut transformiert werden: Essenz bildet das Mark, das…(siehe oben).
Das bedeutet jetzt in der Praxis, dass zur Stärkung des Blutes Milz und Niere „tonisieren“ müssen.

Sein Verhältnis zum Qi:
1. Qi erzeugt Blut: Nahrungs-Qi ist ja die Grundlage und auch das Lungen Qi ist ja beteiligt.
Bei einem Nahrungs-Mangel kommt es auch zu einem Qi-, und daher zu einem Blut-Mangel.
2. Qi bewegt das Blut: Ohne Qi wäre das Blut eine träge Substanz. Das Nähr Qi fliesst mit ihm in den Blutgefässen. Das Lungen-Qi pumpt es hinein und treibt es an.
3. Qi hält das Blut: ….in seinen Bahnen. Diese Funktion gehört vor allem zur Milz.
4. Qi nährt das Blut: Wie von einem Symbionten wird das Qi vom Blut mit Nahrung versorgt. Damit es ja schön stark und beweglich ist. Dazu bildet es die materielle Basis: ansonsten würde das Qi ja irgendwie herumfliegen.

Es heisst daher: Blut ist die Mutter des Qi.

Dieses Verhältnis ist fundamental:
Es beschreibt die Wechselwirkung zwischen Yin und Yang.
Diese ist:
Das Yang (Qi) regiert das Yin (Blut)
Das Yin (Blut) nährt das Yang (Qi)

Mit „regieren“ sind in dieser Formel die Funktionen 1 bis 3 gemeint.

Wie wir gesehen haben, kann man diesen Zusammenhang für alle Aspekte der menschlichen Manifestation (Körper, Geist und Seele) geltend machen.
Und für mich ist genau diese Tatsache das Alpha und das Omega: Nähren um zu Regieren.

Sein Verhältnis zur Essenz:
Blut und Essenz beeinflussen einander wechselseitig. Jede der beiden Substanzen kann sich in die andere umwandeln.
Wie wir schon gesehen haben spielt die Essenz bei der Blutbildung eine wichtige Rolle. Andererseits nährt das Blut fortwährend die Essenz (gemeint ist die Nieren-Essenz) und füllt diese auf.

Zum Abschluss noch die 3 Pathologien des Blutes:
Blut-Mangel: Hervorgerufen durch eine Milz-Qi Schwäche.
Blut- Hitze: Leber-Hitze ist meist dafür verantwortlich.
Blut-Stase: Durch mangelnde Blut-Bewegung kann es zu einem Stau kommen. Dieser kann durch Qi-Stagnation, Hitze oder Kälte hervorgerufen werden. Dazu mehr im Newsletter 3.

Es ist jetzt an der Zeit einen Sachverhalt zu diskutieren, der im Seminar-zwar kurz angerissen-nicht ausführlich genug hat behandelt werden können. Und doch ist er ganz entscheidend, weil er eben grundlegender Natur ist.

Es ist dies der Begriff der „Leeren Hitze“.
Ihr erinnert Euch sicher an die 3 Kinder mit ähnlichen Symptom-Strukturen.

Die wichtigsten Fakten waren:
(Hohes) Fieber mit geschwollener,roter Zunge im Nieren und Leber/Gallenblasen-Bereich.
Nachtschweiss mit wenig Flüssigkeit.
Unruhiger Schlaf.
Energielosigkeit/Mattigkeit.
Atembeschwerden.
Eher grosse Urin-Mengen.
Kaum Durstgefühle.

[img_assist|nid=101|title=|desc=|link=none|align=right|width=300|height=209]Für mich war die geschwollene Zunge der Ausgangspunkt:
Die Zunge ist in „Areale“ aufgeteilt.
Und rote Schwellungen sind "Hitzemuster" . In obigen Fällen war die Zunge -von hinten ausgehend- links und rechts seitlich geschwollen und rot.

Aber um welche Art der Hitze handelte es sich?
Im der Abbildung Yin/Yang sind die wesentlichen Verhältnisse dargestellt:
[img_assist|nid=102|title=|desc=|link=none|align=left|width=500|height=278]In Figur 1 ist alles ausgeglichen:
Yin & Yang sind gleich gross

In Figur 2 ist Yang grösser als Yin:
Yang ist also in Fülle. Das nennt man „Fülle Hitze“

In Figur 3 ist ebenfalls Yang grösser als Yin:
Nur hat da Yang die normale Grösse. Was nicht stimmt, ist die Grösse von Yin:
Yin ist im Mangel: Das nennt man „Leere Hitze“.

Figur 4 zeigt einen Zustand der Niere: Bei der Niere können – als einzigem Organ - sowohl Yin als auch Yang im Mangel sein. Und eines davon ist eben noch mehr im Mangel als das Andere.
Diese "Konstellation " nennt man ebenfalls "Leere Hitze"

Bei meinen kleinen Klienten hat der Nachtschweiss einen Mangel an Yin angezeigt. Es handeltete sich also um „Leere Hitze“ in der Niere (Figur 4)
Nieren -Yin Mangel vererbt sich (nach kosmologischer Sicht) ins Herz.
Und leere Hitze im Herzen verursacht z.Bsp. unruhigen Schlaf (Das Herz ist die Heimat von Shen (Geist). Und kann in diesem Falle diesen nicht "festhalten". Er macht sich also selbständig, steigt auf
(er ist ja sehr leicht), und „geistert“ oben, also im Kopf, herum).
Müdigkeit ist ein Zeichen von mangelndem Qi. Und das ist schwach bei einem Mangel an Nieren-Yang
( Figur 4 ).
Dazu kommen die Atembeschwerden, weil zum Einen die Niere das Qi nicht gut genug unten-halten kann.Und zum Anderen weil ein Nieren-Yang Mangel auch einen Lungen-Qi Mangel zur Folge haben kann.
Das alles hat für "Leere Hitze" gesprochen. Und in der Tat ist es so,dass es dort nur diese Form der Hitze geben kann:Das hat mit der Essenz zum tun.Sie ist ja die Basis von Yin und Yang. Und kann NIE in FÜLLE sein !!
Nun und woher ist das alles gekommen?

Antwort darauf liefern die letzten Mosaik-Teilchen:
Eher unerwartet grosse Urin-Mengen ,kaum Durstgefühle, und wenig Schweiss.
Die Kinder wollten nicht trinken. Es war also subjektiv genug Wasser (Yin) da.
Aber warum schwitzen Sie dann nicht ordentlich? Und wenn Sie mal getrunken haben,warum ging alles unten wieder raus?
Da gibt dafür es nur eine plausible Erklärung: Die Ursache für die Probleme ist die Tatsache, dass der Organismus das aufgenommene Wasser nicht genügend gut umwandeln kann!
Dazu passt auch die Tatsache, dass bei zu wenig Nierenfeuer der Milz nicht genug Power zum Arbeiten zur Verfügung steht. Und die Milz ist an erster Stelle für die Umwandlung(Transformation) zuständig.

Meinen Empfehlung war das Nieren-Qi zu stärken und die Umwandlung zu unterstützen.
Eine Möglichkeit dafür wäre das Kleben von je 1/2 Pflaster auf folgende Körperpunkte-Kombination : Lu7 & Ni 6 ; Ni 7 & 3E5 .
(Körperflüssigkeiten haben ein Naheverhältnis zum Qi. Und der „3fache Erwärmer" ( 3E ) ist dafür zuständig, dass – wie ein Installateur- das Qi, in allen Manifestationsphasen, ordentlich die Organe verlassen kann, wie durch ordentlich verlegte Rohre eben)

Und generell: Kinder sind Essenz-gesteuert. Und die Essenz ist Nieren-Sache. Und die Niere ist die Mutter der Leber.
(Daher auch die Schwellungen im Aktionskreis Leber/Gallenblase.) Und die Leber ist die Heimat von Hun, der Wanderseele. Und wenn man es sich ganz besonders gut machen will, dann könnte man zu allen anderen Punkten auch noch Le 3 und Le 13 kleben.