Qi, das unbekannte Wesen

Alles ist Qi.
Allerdings in verschiedenen Verkleidungen, oder Seins-Zuständen. So wie Wasser zu Dampf, aber auch zu Eis werden kann.
Es heisst: Qi trägt verschiedene Hüte, ist immer im Fluss und man erkennt es an seinen Taten.
Grundlegend kann man sagen: Qi ist Energie die sich gleichzeitig auf der psychischen und der physischen Ebene manifestiert.

Die gröbste Form davon nennen wir Essenz:
Und diese Essenz hat 4 grundlegende Funktionen:
Sie bestimmt das Wachstum, die Entwicklung und die Fortpflanzung.
Sie ist die Grundlagen des Nieren-Qi
Sie bildet das Mark ( Gehirn, Knochen und Rückenmark)
Sie ist die Grundlage der konstitutionellen Stärke

Der Schwerpunkt dieses Newsletters ist aber eine feinere Form von Energie: Das Qi selbst.
Qi ist also Yang im Vergleich zur Essenz, und hat ihrerseits wieder 5 verschiedene Formen, mit verschiedener Herkunft und speziellen Aspekten.

URSPRUNGS-QI
Dies ist die fundamentale Manifestation.
Das Ursprungs Qi ist umgewandelte Essenz. Und wie der Name schon vermuten lässt, wird es sowohl von der Vor-Himmels-, als auch von der Nach-Himmels-Essenz genährt.
Es wird seinerseits nicht weiter umgewandelt:
Das heisst auf gut Deutsch, dass alle anderen Arten von Qi einer anderen Quelle entspringen. (Und wir haben diese Quelle im Seminar schon kennengelernt.)

Es hat (auch) 4 sehr grundlegende Funktionen:

1) Eine treibenden Kraft:
Es erweckt und unterhält die funktionalen Fähigkeiten aller Aktionskreise. Es kann dies tun, weil es eben der Essenz entstammt, die ja bekanntlich die Basis von Vitalität (und Stärke) ist.
Es ist von der Konsistenz her feiner als die Essenz (also Yang),bewegt sich daher schneller als die eher fluidische (flüssige) Grundsubstanz.
Es ist aber „gröber“ als das restliche Qi (also Yin), das sich sehr schnell bewegen kann. Es bildet sozusagen das „Missing link“.

2) Die Grundlage des Nieren Qi:
Es hat daher einen sehr engen Bezug zu allen Nierenfunktionen. Im Besonderen gilt dieses Naheverhältnis dem Tor der Vitalität (das ja zwischen den Nieren angesiedelt ist).Es teilt sich mit diesem die Aufgabe, die für alle Körperfunktionen notwendige Wärme(=Yang) zu liefern.
3) Es erleichtert die Umwandlung der restlichen Qi-Spielarten.
4) Es unterstützt die Herstellung (Transformation im Herzen) von Blut.

NAHRUNGS-QI
Wird vom Aktionskeis Milz/Magen aus der Nahrung extrahiert. Es ist in dieser Form allerdings für den Organismus unbrauchbar.
Wie Ihr Euch erinnert, wird dieses Qi zur Lunge hinaufbefördert, wo es sich mit Atemluft verbindet und das Sammel-Qi bildet.
Es geht aber auch über die Lunge zum Herzen hinauf, wo es in Blut umgewandelt wird.
Ihr seht, dass die Milz das Qi immer hinauf befördern muss. Deshalb sagt man,
dass die Milz das Aufsteigen des Qi kontrolliert.
Und, weil das Qi ja Substanzen sozusagen „mitnimmt“, wird- wenn es abwärts fliesst- z. Bsp. die Nahrung nicht richtig umgewandelt => Durchfall.
Oder man hat arge Probleme beim Ausatmen (verbrauchte Luft geht ja nach aussen, also nach oben!).
Das heisst jetzt: Die Milz kontrolliert auch das Ausatmen!!

SAMMEL-QI
Wie bereits erwähnt, wird diese Spielart des Qi in der Lunge hergestellt. Es ist eine feinere, dünnere Form von Qi als das Nahrungs-Qi (ist also Yang).Es bewegt sich daher schneller und hat auch 4 Hauptfunktionen:
• Es nährt das Herz und unterstütz es beim Regieren von Blut und Blutgefässen.
• Es unterstütz die Lunge beim Kontrollieren des Qi, es fördert Ihre Atemfunktion.
• Es kontrolliert Sprache und Stärke der Stimme.
• Es beeinflusst und fördert die Blutzirkulation in den Extremitäten

In der Praxis kann man den Zustand des Sammel-Qi aus Herz und Lungenfunktion, Kreislauf und Stimme ermessen.
Eine kraftlose Stimme oder eine schlechte Blut-Zirkulation spricht für eine Schwäche das Sammel Qi.
Das es aber auch die Energie des Brustkorbes ist wird es auch durch emotionale Probleme wie Trauer und Depression (werden ja der Lunge zugeschrieben) beeinträchtigt.

Sammel und Ursprungs-Qi unterstützen einander. Das Sammel-Qi fliesst abwärts, um der Niere zu helfen. (Die Lunge kontrolliert also das Einatmen).Das Ursprungs-Qi fliesst aufwärts um bei der Atmung mitzuhelfen. (Kommt ja von der Niere, dem untersten Organ)

WAHRES –QI
Ist das letzte Stadium der Qi-Umwandlung (Also Yang gegenüber allen anderen):
Das Sammel-Qi wird mit Hilfe des Ursprung-Qi (Katalysatoreffekt) in das Wahre Qi umgewandelt. Und ist natürlich auch Lungen-Sache: Die Lunge regiert also das Qi.
Es gibt 2 Formen davon:
Das Nähr-Qi (nicht zu verwechseln mit dem Nahrungs-Qi) ist die feinere Sorte davon, und nährt den ganzen Körper, und vor allem aber die inneren (Yin) Organe. Hat eine enge Beziehung zum Blut (Tausendfüssler-Effekt) und zirkuliert in den Blutgefässen und Meridianen. Und dort wird genau dieses Qi mit Hilfe der Körperpunkte aktiviert.
Das Abwehr-Qi ist etwas gröber, und bewegt sich an der Oberfläche zwischen der Haut und den Muskeln. Es ist, wie der Name schon sagt, für die Abwehr der äusseren pathogenen Faktoren zuständig:
Wind, Nässe, Kälte und Hitze ( davon mehr im Newsletter 3).
Zusätzlich wärmt und befeuchtet es die Haut und Muskeln (Skizze 1 vom Seminar), und reguliert das
Öffnen und Schliessen der Poren.
Die Lunge ist der General, der die Abwehrtruppen kommandiert, und herrscht über die Porentätigkeit.
Eine Schwäche der Lunge hat eine Schwäche des Abwehr-Qi zur Folge. Daraus resultiert übermässige Schweiss-Sekretion während des Tages, weil es eben bei seiner Aufgabe versagt, die Flüssigkeiten im Körper zu halten.
Daher folgende Überlegung ,die hinter dem therapeutischen Auslösen von Schwitzen steht:
Wenn der Körper von äusserer Wind-Kälte attackiert wird, wird die Zirkulation des Abwehr-Qi behindert, die Poren werden blockiert und die Verteilerfunktion der Lunge wird beeinträchtigt. Indem man diese Lungenfunktion durch das Schwitzen wieder herstellt werden die Poren wieder frei gemacht, und Wind-Kälte wird zusammen mit dem Schweiss „vertrieben“ (also von Innen nach Aussen!)
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Die Hauptfunktionen des Qi sind also:
1. Umwandeln (Milz, Lunge : Qi und Blut)
2. Transportieren (alle Substanzen)
3. Halten ( der Substanzen in deren Bahnen)
4. Heben ( Milz-Qi hebt die Organe…auf ihren Platz)
5. Wärmen
6. Schützen

Die Lunge wacht über das Absteigen des Qi. Sie ist das oberste Organ, und wird auch der „Deckel“ genannt.
Die Niere empfängt es und hält es unten. (Wenn das nicht funktioniert, steigt das Qi rebellierend auf und es führt zu einer Stauung (Druck, Völlegefühl)im Thorax mit Atemnot und Asthma !!)
Die Milz schickt das Qi aufwärts zu Lunge und Herz.
Der Magen hingegen bewegt es abwärts.
=>Wenn das Milz-Qi absteigt, verursacht es Durchfall.
=>Wenn das Magen-Qi aufsteigt: Übelkeit, Aufstossen, Erbrechen.
Herz: Das Herz-Yang(Feuer) fliesst abwärts um auf das Wasser der Niere zu treffen. Dieses wiederum steigt auf, um das Herz-Feuer zu kontrollieren
Die Leber ist wie die Strabag. Es bildet die Grundlage (baut die Strassen) für alle Richtungen des Qi.

Sind alle Organe im Gleichgewicht, und ist das Verhältnis untereinander in Ordnung, so fliesst das Qi ungestört und harmonisch in alle Richtungen. Der Organismus ist gesund und man fühlt sich wohl in seiner Haut.

Und wenn eimal die Geschichte in’s Ungleichgewicht gekommen ist,unterscheiden wir 4 pathologische Zustände des Qi:

1) Qi-Mangel
Das Qi kann aus verschiedenen Gründen „in Leere“ sein (= Mangel).
Meist jedoch geht es um das Qi der Lunge, Milz oder Niere.

2) Absinken des Qi
Wenn das Qi in Leere ist, kann es auch absinken und zu einem Organ-Prolaps führen.
(Organ-Prolaps: Absinken des Organs). Das trifft vor allem die Milz. Aber natürlich auch die Gebärmutter.

3) Stagnation des Qi
Wenn es sich nicht bewegen kann, spricht man von einer Stagnation. Trifft vor allem die Leber.

4) Rebellierendes Qi
Das ist der Fall, wenn das Qi in die falsche Richtung fliesst. Wir kennen das von den Bewegungsrichtungen
des Qi im Falle des Magens und der Niere (siehe etwas weiter oben).

Alle diese Fälle haben mit einer Schwäche des Qi zu tun.
Abhilfe schafft man mit den diversen „Tonisierungs-Punkten“ der betreffenden Organ-Leitbahnen (z. Bsp. Lu 7).
In der Regel haben diese Punkte noch zusätzliche Wirkungen. So wählt man jenen, der dem Gesamt-Bild (chinesisch: Disharmonie) am besten entspricht.

Ein Beispiel.

Milz-Meridian:
MP 3 („Grosses Weiss“)
• Stärkt die Milz
• Beseitigt Nässe
• Stärkt das Rückgrat

MP 4 („Gongsun“)
• Stärkt auch die Milz
• Stärkt und beruhigt aber auch zusätzlich den Magen
• Stillt Blutungen!!
• Vertreibt Völle
• Reguliert die Menstruation!!
Mp 4 reguliert das Durchdringungs-Gefäss (=jenes Gefäss, das der Niere entspringt und sich dann in 5 Äste verzweiget). Dieses Gefäss geht ebenfalls durch den Uterus. Daher hat MP 4 eine viel grössere Bedeutung bei Frauen.
Und wenn’s auch nur um die Stärkung der Milz geht, ist MP 4 nicht „überdimensioniert“.
Wenn aber Nässe im Spiel ist (das ist dann der Fall, wenn die Milz bei ihrer Aufgabe versagt die Niere zu kontrollieren): dann hilft M4 nicht!!